Ivan Iljin: über Gottsuche, Moralismus, konservatives und liberales Denken in dessen Werk. Reiseführer durch sein Labyrinth geistiger Erneuerung.

Univ.Prof.Dr.Igor Evlampiev (Institut für Philosophie, Sankt Petersburger Staatliche Universität) zu dem provokanten und vielgestaltigen russischen Denker Ivan Iljin (1883 in Moskau geboren, 1954 in Zollikon bei Zürich gestorben).

Freitag, 31.05.20195, 18:00 Uhr

In Kooperation mit dem

Russischen Kulturinstitut

1040 Wien

Brahmsplatz 8

 

Vortrag auf russisch bei gleichzeitiger Übersetzung durch Wolfgang Vasicek.

Das Werk des Religions-, Moral- und Rechtsphilosophen Ivan Iljin hat inzwischen eine Bedeutung erlangt, die weit über den russischen Raum hinausreicht., Vor allem dessen "Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse" ("О сопротивлении злу силою"), in dem er Lev Tostoi einer zu pazifistischen Haltung gegenüber dem "Bösen" (das sind aus Sicht Iljins jene radikalen Kräfte, aus deren Reihen die späteren Revolutionäre von 1917 kamen) beschuldigte und in dem er sich um eine Vereinbarkeit eines entschlossenen und notfalls gewaltsamen Widerstands gegen das Böse mit der christlichen, neutestamentarischen Lehre bemühte, ruft bis heute sehr gegensätzliche Reaktionen unter den Lesern hervor - von Begeisterung bis Ablehnung, nicht zuletzt auch unter christlichen Gläubigen, Theologen und Geistlichen.

Der Bedeutung eines notfalls gewaltsamen Widerstands gegen radikale, antidemokratische terroristische Gruppierungen können manche auch heute noch etwas abgewinnen.

Iljins Denken entbehrte jedoch selbst nicht einer gewissen Radikalität in den Jahren nach seiner erzwungenen Emigration aus der Sowjetunion. Diese Radikalität des Denkens war damals überhaupt häufig anzutreffen.

Iljin vertrat aber vor der Emigration eher liberale Ansichten, die teilweise sogar bis an sein Lebensende fortwirkten. Er war vor der Revolution ein Befürworter demokratischer Reformen.

Der Abend ist Teil der Reihe "Russische Impressionen: Literatur, Poesie, Kunst und Kultur in Vorträgen und Gesprächen", die von Wolfgang Vasicek programmiert und geleitet wird.



Dem neuen Direktor des Russischen Kulturinstituts in Wien, Dr. Dmitry Alexandrowitsch Sokolov, ist für die bisher ganz ausgezeichnete Kooperation zu danken sowie für das große Interesse, Österreicherinnen und Österreichern verstärkt die beeindruckende russische Kultur zugänglich zu machen.